
Arbeitsvertrag in Deutschland 2026: Was du vor der Unterschrift prüfen solltest – Probezeit, Gehalt, Arbeitszeit und Kündigungsfrist
Der Arbeitsvertrag ist eines der wichtigsten Dokumente, wenn du in Deutschland eine neue Arbeitsstelle antrittst. Darin werden nicht nur dein Gehalt, sondern auch deine Arbeitszeit, deine Aufgaben, dein Arbeitsort, die Probezeit, dein Urlaubsanspruch, die Kündigungsfrist und weitere wichtige Arbeitsbedingungen festgelegt.
Wer zum ersten Mal in Deutschland arbeitet, empfindet einen Arbeitsvertrag häufig als kompliziert. Er enthält zahlreiche rechtliche und arbeitsbezogene Begriffe – und manchmal ist selbst für Menschen mit guten Deutschkenntnissen nicht sofort klar, was eine bestimmte Klausel in der Praxis tatsächlich bedeutet.
Deshalb solltest du einen Arbeitsvertrag nicht einfach unterschreiben.
Lies ihn vor der Unterschrift vollständig durch und stelle sicher, dass du die wichtigsten Bedingungen verstanden hast.
In diesem Artikel erklären wir:
- welche Angaben ein Arbeitsvertrag in Deutschland normalerweise enthält;
- was du vor der Unterschrift prüfen solltest;
- was Probezeit bedeutet;
- wie die Kündigungsfrist funktioniert;
- worauf du bei Gehalt und Arbeitszeit achten solltest;
- welche Unterlagen dein Arbeitgeber möglicherweise benötigt;
- und wie diese Punkte in einem echten Arbeitsvertrag aussehen können.
1. Was ist ein Arbeitsvertrag?
Ein Arbeitsvertrag ist eine Vereinbarung zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer.
Er regelt die Rechte und Pflichten beider Seiten.
Im Arbeitsvertrag beziehungsweise in der Dokumentation der Arbeitsbedingungen finden sich üblicherweise Angaben wie:
- Arbeitgeber;
- Arbeitnehmer;
- Beginn des Arbeitsverhältnisses;
- Arbeitsort;
- Position und Tätigkeit;
- Arbeitszeit;
- Gehalt beziehungsweise Vergütung;
- Zuschläge und weitere Vergütungsbestandteile;
- Probezeit;
- Urlaub;
- Kündigungsbedingungen;
- Angaben zu einem geltenden Tarifvertrag, sofern ein solcher auf das Arbeitsverhältnis Anwendung findet.
Das deutsche Nachweisgesetz verpflichtet Arbeitgeber dazu, die wesentlichen Bedingungen eines Arbeitsverhältnisses zu dokumentieren.
Das ist wichtig, denn ein Arbeitsvertrag ist keine bloße Formalität.
Er ist eines der zentralen Dokumente, anhand dessen später beurteilt werden kann, welche Arbeitsbedingungen Arbeitnehmer und Arbeitgeber tatsächlich vereinbart haben.
2. Arbeitsvertrag in Deutschland – meine persönliche Erfahrung
Als ich 2022 angefangen habe, in Deutschland zu arbeiten, musste auch ich den gesamten Prozess durchlaufen – von der Arbeitssuche bis zur Unterzeichnung meines Arbeitsvertrags.
Dabei wurde mir schnell klar, dass ein Arbeitsvertrag viele Punkte enthält, die auf den ersten Blick nebensächlich erscheinen können.
Zum Beispiel:
- Wie lange dauert die Probezeit?
- Welche Kündigungsfrist gilt?
- Wird das Gehalt monatlich oder als Stundenlohn angegeben?
- Wie werden Überstunden vergütet oder ausgeglichen?
- Wie viele Urlaubstage stehen mir zu?
- Verweist der Arbeitsvertrag auf einen Tarifvertrag?
- An welchen Arbeitsorten darf mich der Arbeitgeber einsetzen?
Wenn man gerade erst nach Deutschland gekommen ist, scheint zunächst oft nur eines wirklich wichtig zu sein:
einen Job zu bekommen.
Deshalb ist es leicht, den Arbeitsvertrag schnell zu unterschreiben und sich zu denken:
Hauptsache, ich habe Arbeit. Den Rest kläre ich später.
Doch genau an diesem Punkt lohnt es sich, den Vertrag gründlich zu lesen.
Einige Sätze oder Klauseln im Arbeitsvertrag können nach einigen Monaten oder Jahren wesentlich wichtiger werden, als sie am Tag der Unterschrift erscheinen.
3. Was sollte man vor der Unterschrift des Arbeitsvertrags prüfen?
Bevor du deinen Arbeitsvertrag unterschreibst, solltest du mindestens die folgenden Punkte kontrollieren.
Arbeitsbeginn
Im Vertrag sollte eindeutig stehen, an welchem Datum dein Arbeitsverhältnis beginnt.
Zum Beispiel:
Beginn des Arbeitsverhältnisses: 01.09.2026
Ab diesem Datum beginnen in der Regel auch die mit dem Arbeitsverhältnis verbundenen Rechte und Pflichten.
Tätigkeit und Aufgaben
Prüfe genau, welche Position und welche Tätigkeiten im Arbeitsvertrag angegeben sind.
Je allgemeiner die Tätigkeitsbeschreibung formuliert ist, desto wichtiger ist es zu verstehen, welche Aufgaben dein Arbeitgeber tatsächlich von dir erwartet.
Wurde dir im Vorstellungsgespräch eine bestimmte Tätigkeit zugesagt, im Arbeitsvertrag steht jedoch etwas wesentlich anderes, solltest du das vor der Unterschrift klären.
Arbeitsort
Achte darauf, ob im Arbeitsvertrag ein konkreter Arbeitsort genannt wird oder ob der Arbeitgeber dich auch an verschiedenen Standorten einsetzen kann.
Das kann insbesondere bei Unternehmen mit mehreren Filialen, Lagerstandorten, Baustellen oder Produktionsstätten wichtig sein.
4. Gehalt oder Stundenlohn im Arbeitsvertrag
Einer der wichtigsten Punkte im Arbeitsvertrag ist die Vergütung.
In Deutschland begegnen dir häufig zwei grundlegende Varianten.
Monatsgehalt
Du erhältst ein fest vereinbartes Bruttogehalt pro Monat.
Zum Beispiel:
3.200 € brutto monatlich
Das bedeutet, dass dein vertraglich vereinbartes monatliches Bruttogehalt 3.200 Euro beträgt.
Stundenlohn
Die Vergütung wird pro geleisteter beziehungsweise vergüteter Arbeitsstunde festgelegt.
Zum Beispiel:
16,50 € brutto pro Stunde
In diesem Fall kann dein monatliches Einkommen abhängig von der Anzahl der vergüteten Arbeitsstunden und den konkreten Vertragsbedingungen unterschiedlich hoch ausfallen.
5. Brutto ist nicht dasselbe wie Netto
Dieser Punkt ist besonders wichtig für Menschen, die zum ersten Mal in Deutschland arbeiten.
Wenn in deinem Arbeitsvertrag steht:
3.200 € brutto
bedeutet das nicht, dass 3.200 Euro auf deinem Bankkonto ankommen.
Vom Bruttogehalt werden abhängig von deiner persönlichen Situation Steuern und Sozialversicherungsbeiträge berechnet.
Am Ende erhältst du dein Nettogehalt – also den Betrag, der dir nach den entsprechenden Abzügen tatsächlich ausgezahlt wird.
Wenn du Stellenangebote oder Arbeitsverträge vergleichst, solltest du deshalb diese beiden Begriffe nicht verwechseln:
Bruttogehalt → Gehalt vor Steuern und Sozialabgaben
Nettogehalt → Betrag nach den entsprechenden Abzügen
6. Arbeitszeit im Arbeitsvertrag
Prüfe im Arbeitsvertrag, wie viele Stunden du pro Woche arbeiten musst.
Zum Beispiel:
40 Stunden pro Woche
Die reine Anzahl der Wochenstunden reicht jedoch nicht aus, um die tatsächlichen Arbeitsbedingungen zu beurteilen.
Wichtig ist außerdem zu klären:
- Wie werden die Schichten organisiert?
- Gibt es Nachtarbeit?
- Muss samstags oder sonntags gearbeitet werden?
- Wie werden Überstunden erfasst?
- Wie werden Überstunden vergütet oder ausgeglichen?
- Gibt es ein Arbeitszeitkonto?
Die Arbeitszeit wird in Deutschland neben dem Arbeitsvertrag unter anderem durch das Arbeitszeitgesetz sowie gegebenenfalls durch weitere Vorschriften oder einen anwendbaren Tarifvertrag geregelt.
7. Überstunden – ein besonders wichtiger Punkt im Arbeitsvertrag
Diesen Abschnitt würde ich besonders aufmerksam lesen.
Suche im Vertrag nach Begriffen wie:
- Überstunden
- Mehrarbeit
- Arbeitszeitkonto
- mit dem Gehalt abgegolten
Du solltest genau verstehen:
Was passiert, wenn du mehr arbeitest, als in deinem Arbeitsvertrag vorgesehen ist?
Abhängig von den geltenden Bedingungen können Überstunden:
- zusätzlich bezahlt werden;
- durch Freizeit ausgeglichen werden;
- auf einem Arbeitszeitkonto erfasst werden;
- oder besonderen Regelungen im Arbeitsvertrag beziehungsweise Tarifvertrag unterliegen.
Es reicht deshalb nicht aus, nur dein monatliches Gehalt zu kennen.
Du solltest auch verstehen, für welche Arbeitszeit dieses Gehalt gezahlt wird und was mit zusätzlichen Arbeitsstunden passiert.
8. Was bedeutet Probezeit?
Die Probezeit ist ein vereinbarter Zeitraum zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses.
Sie gibt sowohl dem Arbeitnehmer als auch dem Arbeitgeber die Möglichkeit festzustellen, ob das Arbeitsverhältnis für beide Seiten passt.
Im Arbeitsvertrag kann zum Beispiel stehen:
„Die ersten sechs Monate gelten als Probezeit.“
Das bedeutet:
Die ersten sechs Monate des Arbeitsverhältnisses sind als Probezeit vereinbart.
Dabei ist es jedoch sehr wichtig, zwei unterschiedliche Begriffe nicht miteinander zu verwechseln:
Probezeit und Kündigungsschutz.
Das ist nicht dasselbe.
9. Wie lange kann die Probezeit in Deutschland dauern?
In vielen Arbeitsverträgen wird eine Probezeit von bis zu sechs Monaten vereinbart.
Ist eine Probezeit vereinbart, kann das Arbeitsverhältnis gemäß § 622 Abs. 3 BGB während einer vereinbarten Probezeit, längstens für die Dauer von sechs Monaten, mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden.
Im Arbeitsvertrag kann jedoch eine längere Kündigungsfrist vereinbart sein. Außerdem können sich aus einem anwendbaren Tarifvertrag unter bestimmten Voraussetzungen abweichende Regelungen ergeben.
Das bedeutet nicht, dass in jedem Arbeitsvertrag in Deutschland während der Probezeit automatisch exakt dieselbe Regelung gilt.
Lies deshalb immer deinen eigenen Arbeitsvertrag und prüfe, ob auf dein Arbeitsverhältnis ein Tarifvertrag Anwendung findet.
10. Ein Beispiel aus der Praxis: In meinem Arbeitsvertrag war es anders
Gerade an diesem Punkt zeigt meine eigene Erfahrung, warum man eine allgemeine Regel, die man im Internet gelesen hat, nicht automatisch auf den eigenen Arbeitsvertrag übertragen sollte.
In meinem Arbeitsvertrag war während der Probezeit folgende Kündigungsfrist vorgesehen:
ein Monat zum Monatsende.
Das sollte nicht als allgemeiner Standard für Arbeitsverträge in Deutschland verstanden werden.
Es handelte sich um eine konkrete Regelung in meinem eigenen Arbeitsvertrag.
Und genau das ist ein gutes Beispiel dafür, warum jeder Arbeitsvertrag individuell gelesen werden sollte.
Im Internet kannst du beispielsweise lesen:
Probezeit = 2 Wochen Kündigungsfrist.
In deinem konkreten Arbeitsvertrag kann jedoch eine längere Frist vereinbart sein.
Die richtige Frage lautet deshalb nicht nur:
„Wie lang ist die Kündigungsfrist in Deutschland?“
Sondern auch:
„Was steht in meinem Arbeitsvertrag und gilt für mein Arbeitsverhältnis ein Tarifvertrag?“
11. Was ist die Kündigungsfrist?
Die Kündigungsfrist bestimmt, wie viel Zeit in der Regel zwischen dem Ausspruch einer ordentlichen Kündigung und dem tatsächlichen Ende des Arbeitsverhältnisses liegt.
Das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) sieht in § 622 als Grundregel eine Kündigungsfrist von:
vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Ende eines Kalendermonats
vor.
Für Kündigungen durch den Arbeitgeber verlängert sich die gesetzliche Kündigungsfrist abhängig von der Dauer des Arbeitsverhältnisses.
Nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit beträgt die gesetzliche Kündigungsfrist für eine Kündigung durch den Arbeitgeber beispielsweise einen Monat zum Ende eines Kalendermonats. Mit zunehmender Beschäftigungsdauer verlängert sich diese Frist schrittweise.
Allerdings solltest du auch hier immer prüfen:
- deinen Arbeitsvertrag;
- die gesetzlichen Regelungen;
- einen möglicherweise geltenden Tarifvertrag.
Deshalb solltest du nicht davon ausgehen, dass für alle Arbeitnehmer in Deutschland dieselbe Kündigungsfrist gilt.
12. Eine Kündigung muss schriftlich erfolgen
Wird ein Arbeitsverhältnis durch Kündigung beendet, spielt auch die Form der Kündigung eine wichtige Rolle.
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) weist darauf hin, dass eine Kündigung schriftlich erfolgen muss.
Das ist ein wichtiger praktischer Punkt.
Kommt es zu einem Streit über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses, solltest du dich nicht lediglich auf ein mündliches Gespräch verlassen.
13. Sehr wichtig: die 3-Wochen-Frist nach einer Kündigung
Diese Regel solltest du kennen, noch bevor überhaupt Probleme am Arbeitsplatz entstehen.
Wenn dein Arbeitgeber dir eine schriftliche Kündigung übergibt und du der Meinung bist, dass diese unwirksam ist oder du ihre Wirksamkeit gerichtlich überprüfen lassen möchtest, muss eine Kündigungsschutzklage in der Regel innerhalb von drei Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung beim zuständigen Arbeitsgericht erhoben werden.
Wird diese Frist versäumt, kann das erhebliche rechtliche Folgen haben.
Deshalb gilt:
Kündigung erhalten → nicht wochenlang warten, sondern die Situation möglichst schnell prüfen.
Drei Wochen können sehr schnell vergehen.
14. Urlaub – was steht im Arbeitsvertrag?
Prüfe in deinem Arbeitsvertrag auch, wie hoch dein jährlicher Urlaubsanspruch ist.
Achte insbesondere auf Begriffe wie:
- Urlaub
- Urlaubsanspruch
- Arbeitstage
Besonders wichtig ist die Frage, ob der Urlaub in Arbeitstagen angegeben wird und wie viele Tage pro Woche du tatsächlich arbeitest.
Schau deshalb nicht nur auf die Zahl der Urlaubstage.
Entscheidend ist, was diese Zahl bei deinem konkreten Arbeitszeitmodell tatsächlich bedeutet.
15. Tarifvertrag – diesen Punkt solltest du nicht ignorieren
In manchen Arbeitsverträgen findest du einen Hinweis auf einen Tarifvertrag.
Dieser Hinweis kann sehr wichtig sein.
Ein Tarifvertrag kann unter anderem Regelungen enthalten zu:
- Gehalt und Vergütung;
- Arbeitszeit;
- Zuschlägen;
- Überstunden;
- Urlaub;
- Kündigungsfristen;
- weiteren Arbeitsbedingungen.
Wenn du in deinem Arbeitsvertrag Begriffe wie
Tarifvertrag
oder
tarifliche Bestimmungen
findest, solltest du deshalb klären, welcher Tarifvertrag für dein Arbeitsverhältnis gilt und welche konkreten Regelungen darin enthalten sind.
Unter bestimmten Voraussetzungen können tarifvertragliche Regelungen auch für einen größeren Kreis von Arbeitgebern und Arbeitnehmern verbindlich sein.
16. Welche Daten und Dokumente braucht der Arbeitgeber beim Arbeitsbeginn?
Nachdem du eine Arbeitsstelle gefunden hast, benötigt dein Arbeitgeber verschiedene Angaben, damit er dich korrekt anmelden und deine Lohn- oder Gehaltsabrechnung durchführen kann.
Je nach persönlicher und beruflicher Situation können beispielsweise folgende Daten und Dokumente erforderlich sein:
- persönliche Daten;
- Adresse;
- Bankverbindung;
- Steuer-ID;
- Sozialversicherungsnummer;
- Angaben zu deiner Krankenkasse;
- Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis, sofern diese in deinem Fall erforderlich ist;
- bei bestimmten Berufen Qualifikationsnachweise, Zertifikate oder andere Bescheinigungen.
An diesem Punkt wird deutlich, wie die verschiedenen Bereiche des deutschen Systems miteinander verbunden sind.
Du findest eine Arbeitsstelle – aber der Arbeitsvertrag ist kein isoliertes Dokument.
Er steht in Verbindung mit dem deutschen Steuersystem, der Krankenversicherung, der Sozialversicherung, deinem Bankkonto und weiteren administrativen Abläufen.
17. Steuer-ID, Sozialversicherungsnummer und Krankenkasse sind nicht dasselbe
Gerade Menschen, die erst vor Kurzem nach Deutschland gekommen sind, verwechseln diese Begriffe häufig.
Steuer-ID
Die Steueridentifikationsnummer.
Sie wird für die steuerliche Verwaltung und Zuordnung verwendet.
Sozialversicherungsnummer
Eine Nummer, die mit dem deutschen Sozialversicherungssystem verbunden ist.
Krankenkasse
Deine gesetzliche oder private Krankenversicherung beziehungsweise bei gesetzlich Versicherten die zuständige Krankenkasse.
Es handelt sich um drei unterschiedliche Begriffe und Funktionen, auch wenn sie beim Beginn einer neuen Beschäftigung nahezu gleichzeitig relevant werden können.
Bei DMS findest du zu diesen Themen jeweils eigene ausführliche Ratgeber. Deshalb müssen wir das gesamte deutsche Steuer-, Krankenversicherungs- und Sozialversicherungssystem an dieser Stelle nicht noch einmal erklären.
18. Was tun, wenn du etwas im Arbeitsvertrag nicht verstehst?
Unterschreibe keine Vertragsklausel, die du nicht verstehst, nur weil du keine Fragen stellen möchtest.
Es ist dein Arbeitsvertrag.
Wenn dir etwas unklar ist:
- Frage deinen Arbeitgeber oder die Personalabteilung.
- Kläre die Bedeutung des konkreten Begriffs oder der Klausel.
- Vergleiche den schriftlichen Vertrag mit dem, was im Vorstellungsgespräch vereinbart wurde.
- Hole dir bei Bedarf professionelle Beratung.
Auch das BMAS empfiehlt, den Arbeitsvertrag sorgfältig zu lesen und nachzufragen, wenn etwas unklar ist oder nicht mit den zuvor mündlich besprochenen Bedingungen übereinstimmt.
Besondere Aufmerksamkeit solltest du folgenden Punkten schenken:
Gehalt, Arbeitszeit, Überstunden, Probezeit, Kündigungsfrist, Arbeitsort und Tätigkeit.
19. Wichtige deutsche Begriffe im Arbeitsvertrag
Auch wenn du im Alltag bereits relativ gut Deutsch verstehst, können in einem Arbeitsvertrag rechtliche und administrative Begriffe auftauchen, die im normalen Alltag nur selten verwendet werden.
Hier sind einige der wichtigsten Begriffe:
| Deutsch | Bedeutung |
|---|---|
| Arbeitsvertrag | Vertrag zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber |
| Arbeitgeber | Unternehmen oder Person, die dich beschäftigt |
| Arbeitnehmer | beschäftigte Person |
| Arbeitsbeginn | Beginn des Arbeitsverhältnisses |
| Arbeitsort | Ort, an dem die Arbeit ausgeübt wird |
| Tätigkeit | Aufgaben bzw. Position |
| Arbeitszeit | vereinbarte Arbeitszeit |
| Vergütung | Bezahlung für die Arbeit |
| Bruttogehalt | Gehalt vor Steuern und Sozialabgaben |
| Probezeit | vereinbarte Probephase zu Beginn des Arbeitsverhältnisses |
| Überstunden | zusätzliche Arbeitsstunden |
| Urlaub | arbeitsfreie Urlaubstage |
| Kündigung | Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch Kündigung |
| Kündigungsfrist | Zeitraum zwischen Kündigung und Ende des Arbeitsverhältnisses |
| Tarifvertrag | Vereinbarung über Arbeitsbedingungen zwischen Tarifvertragsparteien |
| befristet | Arbeitsverhältnis mit festgelegtem Ende |
| unbefristet | Arbeitsverhältnis ohne vorher festgelegtes Enddatum |
Diese Begriffe solltest du idealerweise schon vor der Unterzeichnung deines Arbeitsvertrags kennen.
20. Befristeter oder unbefristeter Arbeitsvertrag?
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Dauer des Arbeitsverhältnisses.
Unbefristeter Arbeitsvertrag
Ein unbefristeter Arbeitsvertrag hat kein von vornherein festgelegtes Enddatum.
Das Arbeitsverhältnis läuft grundsätzlich weiter, bis es auf eine rechtlich wirksame Weise beendet wird.
Befristeter Arbeitsvertrag
Ein befristeter Arbeitsvertrag wird dagegen für einen bestimmten Zeitraum abgeschlossen.
Zum Beispiel:
01.09.2026–31.08.2027
In diesem Fall solltest du besonders sorgfältig prüfen:
- wann das Arbeitsverhältnis endet;
- welche Bedingungen für seine Beendigung gelten;
- ob eine Verlängerung vorgesehen oder möglich ist;
- welche weiteren Regelungen für das konkrete Arbeitsverhältnis gelten.
Das deutsche Nachweisgesetz sieht bei befristeten Arbeitsverhältnissen vor, dass in der Dokumentation das Enddatum oder die vorhersehbare Dauer des Arbeitsverhältnisses angegeben wird.
21. Mündliche Zusagen und das, was tatsächlich im Vertrag steht
Während eines Vorstellungsgesprächs können viele Dinge besprochen oder zugesagt werden:
- Gehalt;
- Zuschläge;
- Arbeitszeit;
- Schichtarbeit;
- Homeoffice;
- Arbeitsort;
- Bonuszahlungen;
- Gehaltserhöhung nach der Probezeit.
Vor der Unterschrift solltest du jedoch kontrollieren:
Sind die für dich wichtigen Vereinbarungen tatsächlich in den Unterlagen enthalten, die du erhältst?
Sagt dir dein Arbeitgeber beispielsweise im Vorstellungsgespräch:
„Nach der Probezeit wird dein Gehalt erhöht.“
Im Arbeitsvertrag oder in anderen relevanten Unterlagen steht dazu jedoch nichts, solltest du diesen Punkt vor der Unterschrift klären.
Dasselbe gilt für andere Zusagen, die für deine Entscheidung wichtig sind.
22. Schnelle Checkliste: Arbeitsvertrag vor der Unterschrift prüfen
Bevor du deinen Arbeitsvertrag unterschreibst, solltest du folgende Fragen beantworten können:
- ☐ Sind mein Name und meine persönlichen Daten korrekt?
- ☐ Wer ist mein Arbeitgeber?
- ☐ Wann beginnt das Arbeitsverhältnis?
- ☐ Ist der Arbeitsvertrag befristet oder unbefristet?
- ☐ Welche Position habe ich?
- ☐ Welche Tätigkeiten und Aufgaben gehören zu meiner Stelle?
- ☐ Wo befindet sich mein Arbeitsort?
- ☐ Wie viele Stunden muss ich pro Woche arbeiten?
- ☐ Wie hoch ist mein Bruttogehalt beziehungsweise mein Stundenlohn?
- ☐ Wann wird das Gehalt ausgezahlt?
- ☐ Wie werden Überstunden erfasst und ausgeglichen oder vergütet?
- ☐ Gibt es eine Probezeit?
- ☐ Wie lange dauert die Probezeit?
- ☐ Welche Kündigungsfrist gilt?
- ☐ Wie viele Urlaubstage habe ich?
- ☐ Gibt es Schichtarbeit?
- ☐ Wird im Arbeitsvertrag auf einen Tarifvertrag verwiesen?
- ☐ Entspricht der schriftliche Vertrag dem, was mir im Vorstellungsgespräch zugesagt wurde?
Wenn du eine dieser Fragen nicht beantworten kannst, solltest du den Arbeitsvertrag vor der Unterschrift noch einmal sorgfältig prüfen.
23. Häufige Fehler beim Unterschreiben eines Arbeitsvertrags in Deutschland
1. Nur auf das Gehalt achten
Ein hohes Bruttogehalt allein sagt noch nicht alles über die tatsächlichen Arbeitsbedingungen aus.
Arbeitszeit, Überstunden, Urlaub, Zuschläge, Arbeitsort und Kündigungsfrist können mindestens genauso wichtig sein.
2. Die Arbeitszeit nicht genau prüfen
40 Stunden pro Woche können in der Praxis sehr unterschiedlich aussehen.
Eine reguläre 40-Stunden-Woche ist etwas anderes als eine 40-Stunden-Woche mit häufigen zusätzlichen Schichten oder regelmäßig anfallenden Überstunden.
3. Die Regelung zu Überstunden ignorieren
Gerade dieser Punkt kann später sehr wichtig werden.
Prüfe deshalb, wie Überstunden erfasst, vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen werden und ob es ein Arbeitszeitkonto gibt.
4. Brutto und Netto verwechseln
Bei Stellenangeboten und in Arbeitsverträgen wird die Vergütung in der Regel als Bruttobetrag angegeben.
Der Betrag, der später tatsächlich auf deinem Bankkonto ankommt, ist dein Nettogehalt nach den entsprechenden Abzügen.
5. Die Kündigungsfrist nicht prüfen
Viele Arbeitnehmer lesen diesen Abschnitt erst dann genauer, wenn sie bereits den Arbeitsplatz wechseln oder selbst kündigen möchten.
Besser ist es, die Kündigungsfrist bereits vor der Unterschrift des Arbeitsvertrags zu kennen.
6. Davon ausgehen, dass die Probezeit überall gleich geregelt ist
Die konkrete Regelung im Arbeitsvertrag sowie ein möglicherweise geltender Tarifvertrag können entscheidend sein.
Verlasse dich deshalb nicht ausschließlich auf allgemeine Informationen über die Probezeit in Deutschland.
7. Sich nur auf mündliche Zusagen verlassen
Wichtige Arbeitsbedingungen solltest du in den Unterlagen überprüfen, die du tatsächlich erhältst.
Wenn dir im Vorstellungsgespräch etwas Wichtiges zugesagt wurde, sollte vor der Unterschrift geklärt werden, wie diese Vereinbarung dokumentiert ist.
24. Wie passt der Arbeitsvertrag zu den ersten Schritten in Deutschland?
Wenn du erst vor Kurzem nach Deutschland gekommen bist, kann dein Weg in das Arbeitsleben ungefähr so aussehen:
Wohnsitz anmelden (Anmeldung)
↓
Steuer-ID erhalten
↓
Bankkonto eröffnen
↓
Krankenkasse klären
↓
Arbeit finden
↓
Arbeitsvertrag unterschreiben
↓
Sozialversicherung
↓
Lohnabrechnung
In der Praxis können einzelne Schritte allerdings auch in einer anderen Reihenfolge oder parallel stattfinden.
Genau deshalb wird der DMS-Bereich rund um Leben und Arbeiten in Deutschland als miteinander verbundenes System von Ratgebern aufgebaut – und nicht als Sammlung einzelner, voneinander unabhängiger Artikel.
So kannst du Schritt für Schritt nachvollziehen, welche Dokumente, Nummern und Prozesse in Deutschland miteinander zusammenhängen.
25. Häufig gestellte Fragen zum Arbeitsvertrag in Deutschland
Was ist ein Arbeitsvertrag?
Ein Arbeitsvertrag ist eine Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, in der die Bedingungen des Arbeitsverhältnisses festgelegt werden.
Dazu können unter anderem Arbeitszeit, Vergütung, Tätigkeit, Arbeitsort, Urlaub, Probezeit und Kündigungsfrist gehören.
Was bedeutet Probezeit?
Die Probezeit ist ein vereinbarter Zeitraum zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses.
Sie ermöglicht Arbeitnehmer und Arbeitgeber festzustellen, ob die Zusammenarbeit für beide Seiten passt.
Wie lange dauert die Probezeit in Deutschland?
In vielen Arbeitsverträgen wird eine Probezeit von bis zu sechs Monaten vereinbart.
Wie lange deine Probezeit tatsächlich dauert, solltest du immer in deinem eigenen Arbeitsvertrag prüfen.
Welche Kündigungsfrist gilt während der Probezeit?
Ist eine Probezeit vereinbart, sieht § 622 Abs. 3 BGB während einer vereinbarten Probezeit – längstens für die Dauer von sechs Monaten – grundsätzlich eine Kündigungsfrist von zwei Wochen vor.
Im Arbeitsvertrag kann jedoch eine längere Frist vereinbart sein. Außerdem kann ein anwendbarer Tarifvertrag abweichende Regelungen enthalten.
Deshalb solltest du immer prüfen, welche Regelung konkret für dein Arbeitsverhältnis gilt.
Ist das Gehalt im Arbeitsvertrag brutto oder netto angegeben?
Das hängt vom konkreten Wortlaut ab. Die Vergütung wird in Arbeitsverträgen jedoch üblicherweise als Bruttobetrag angegeben.
Achte deshalb auf Begriffe wie:
- Bruttogehalt
- Monatsgehalt
- Stundenlohn
- Vergütung
Was ist ein Tarifvertrag?
Ein Tarifvertrag kann unter anderem Regelungen zu Gehalt, Arbeitszeit, Zuschlägen, Überstunden, Urlaub, Kündigungsfristen und weiteren Arbeitsbedingungen enthalten.
Wenn dein Arbeitsvertrag auf einen Tarifvertrag verweist, solltest du prüfen, welcher Tarifvertrag gilt und welche Regelungen darin enthalten sind.
Was kann ich tun, wenn ich meinen Arbeitsvertrag auf Deutsch nicht verstehe?
Unterschreibe keine Klausel, deren Bedeutung dir nicht klar ist.
Frage deinen Arbeitgeber oder die Personalabteilung nach einer Erklärung. Bei wichtigen oder rechtlich komplizierten Fragen kann es sinnvoll sein, professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen.
Besonders aufmerksam solltest du Regelungen zu Gehalt, Arbeitszeit, Überstunden, Probezeit, Kündigungsfrist, Urlaub, Arbeitsort und Tätigkeit lesen.
Wie lange habe ich Zeit, gegen eine Kündigung vorzugehen?
Wenn du die Wirksamkeit einer Kündigung deines Arbeitgebers gerichtlich überprüfen lassen möchtest, muss eine Kündigungsschutzklage in der Regel innerhalb von drei Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung beim Arbeitsgericht erhoben werden.
Diese Frist solltest du unbedingt ernst nehmen.
26. Fazit: Arbeitsvertrag in Deutschland vor der Unterschrift genau prüfen
Ein Arbeitsvertrag in Deutschland ist kein Dokument, das du schnell unterschreiben und anschließend in eine Schublade legen solltest.
Er regelt sehr praktische und wichtige Fragen deines Arbeitslebens:
Wie viel verdienst du? Wie lange arbeitest du? Wo arbeitest du? Welche Aufgaben hast du? Wie viel Urlaub bekommst du? Und unter welchen Bedingungen kann das Arbeitsverhältnis beendet werden?
Meine eigene Erfahrung in Deutschland hat mir einen einfachen Grundsatz gezeigt:
Gehe nicht automatisch davon aus, dass in deinem Arbeitsvertrag genau das steht, was du im Vorstellungsgespräch gehört oder zuvor im Internet gelesen hast. Lies deinen eigenen Vertrag.
Prüfe besonders sorgfältig:
Gehalt → Arbeitszeit → Überstunden → Probezeit → Urlaub → Kündigungsfrist → Tarifvertrag
Wenn du diese Punkte verstanden hast, kannst du bereits einen großen Teil der Missverständnisse vermeiden, die beim Einstieg in das Arbeitsleben in Deutschland entstehen können.
Und wenn dir in deinem Arbeitsvertrag unbekannte deutsche Begriffe begegnen, kannst du bei DMS Schritt für Schritt die praktische deutsche Sprache und die Informationen kennenlernen, die du für Arbeit und Alltag in Deutschland brauchst.
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